Erst wenn Skifahrer vor der Abfahrt eigentlich die Fliegerbrille anstatt der Skipiste aufsetzen müssten und nur wenn es unten richtig laut knallt, weil sie die Schalmauer durchbrochen haben, dann gibt es Leute, die sagen würden: Ja, diese Piste ist steil genug. Zum Glück gibt es Skigebiete, die auch für solche Kamikaze-Fahrer etwas im Angebot haben. Und zwar diese zehn steilen Skipisten hier.

TVB Mayrhofen © Dominic Ebenbichler

Harakiri in Mayrhofen

Der traditionelle Selbstmord ist der Namensgeber für diesen Pistengiganten und ein bisschen selbstmörderisch veranlagt muss man wahrscheinlich schon sein, um sich diese Skipiste mit 78 Prozent Gefälle hinunter zu wagen. Am Penken in Mayrhofen wartet die schwärzeste Piste im Zillertal, die legendäre Piste mit der Nummer 34. Wer sich noch nicht ganz sicher ist, probiert sich alternativ erst einmal an der Nummer 12, dem Devil’s Run, aus. Glühende Oberschenkel warten auch hier.

Langer Zug in Lech Zürs am Arlberg

Hinter dem eher gemächlichen Namen verbirgt sich eine weitere spektakuläre Abfahrt. Mit 80 Prozent Gefälle im oberen Teil ist der Lange Zug eine der steilsten präparierten Skiabfahrten weltweit und auch hier sollten sich wirklich nur erfahrene Skifahrer auf die Skipiste wagen. Und um noch ein paar weitere Zahlen zu nennen. Gesamtlänge: 4,7 Kilometer. Höhenunterschied: 199 Meter. Durchschnittliches Gefälle: 78 Prozent.

Holzriese im Skigebiet 3 Zinnen in Italien

Wer denkt, auf einer Gesamtlänge von nur 800 Metern kann ja nicht viel passieren, der sollte mal das Skigebiet Rotwand in den Drei Zinnen in den Dolomiten besuchen. Denn hier wartet ein Gefälle von 71 Prozent, was die Skipiste zu einer der steilsten Abfahrten in Südtirol macht. Da auch Eisplatten liegen können, ist diese Abfahrt wirklich nur etwas für Menschen, die wissen, was sie tun.

© TVB Obertauern

Gamsleiten II in Obertauern

Einfach gerade den Berg hinunter, so sieht es zumindest aus der Ferne aus, wenn sich Skifahrer die Gamsleiten II in Obertauern ansehen. Und beim Fahren wird der Eindruck dann auch nicht revidiert, denn stellenweise werden bis zu 100 Prozent Gefälle erreicht. Über den Skitag hinweg türmen sich dazu noch Buckel auf, die das Befahren schwieriger machen. Das ist also wirklich nur etwas für echte Könner.

Direttissima in Serfaus-Fiss-Ladis

Im Skigebiet Serfaus-Fiss-Ladis liegt die Skipiste Direttissima, die mit einer Gesamtlänge von nur 1,5 Kilometern auch eher unschuldig daherkommt. Aber diese Kleine hat es in sich. Dort warten nämlich durchschnittlich 70 Prozent Gefälle. Sie führt von der Almbahn auf knapp 2.600 m in Richtung Mittelstation Schönjochbahn und die meisten kommen dort unten wahlweise mit zitternden Knie oder glühenden Oberschenkeln an.

Schweizer Wand in Les Portes du Soleil

Schon das Wort Wand scheint ja eigentlich etwas zu bezeichnen, wo man nicht auf zwei Holzbrettern mit Stahlkanten runterfahren will. Ein paar Wahnsinnige tun es aber doch. Nochmal zur Veranschaulichung: Gemeint sind hier mehr als 100 Prozent Gefälle (ja, das scheint physikalisch zu gehen) und bis zu 2 Meter hohe Buckel. Wer hier runterfährt, sollte vorher eine sehr gute Versicherung abgeschlossen haben.

Kandahar in Garmisch-Partenkirchen

Wenn die Skiprofis dort hinunterfahren, dann muss sie ja schon anspruchsvoll sein. Aber auch normale Skifahrer können sich hieran versuchen, wenn sie möchten. Das heißt, wenn sie sich trauen, denn am freien Fall warten bis zu 92 Prozent Gefälle. Profis erreichen hier auch gerne mal Geschwindigkeiten im dreistelligen Bereich. Wer sich übrigens fragt, was der Name Kandahar eigentlich bedeutet. Das bezieht sich auf eine Stadt in Afghanistan.

Diabolo in Golm im Montafon

Wer sich hier hinunterwagt, muss ein bisschen Wahnsinnigkeit zum Frühstück gehabt haben. So könnte man denken. Denn in Montafon in Vorarlberg werden auf nur 300 Metern Länge 70 Prozent Gefälle überwunden, was die Skipiste zu einer der steilsten der Alpen macht. Danach geht es mit gemütlichem Carven weiter, um den Puls wieder runterzufahren und den Angstschweiß zu trocknen.

© hahnenkamm.com

Die Streif in Kitzbühel

Sie ist legendär, anders kann man es gar nicht sagen. Beim berühmten Hahnenkammrennen kämpfen dort die Profis um jede Millisekunde, stellenweise mit Sprüngen von bis zu 60 Metern. Aber auch normale Skifahrer können sich abseits des Events an der Skipiste versuchen. Es warten bis zu 85 Prozent Gefälle in der Mausefalle. Wer nicht ganz so lebensmüde ist, fährt die gemütlichere Familien-Streif.

Spinale Direttissima in Madonna di Campiglio

Eigentlich immer nur geradeaus, so verläuft die Spinale Direttissima vom Monte Spinale, geradeaus bis zum Dorf. Die Gesamtlänge beträgt 2.400 Meter, wobei ein Gefälle von bis zu 70 Prozent überwunden werden muss. Ein Teilstück ist übrigens auch nach dem berühmten Rennfahrer Michael Schumacher benannt. Nur, dass Skifahrer hier eben nur zwei Bretter unter sich haben, und kein PS-Monster mit vier Reifen.

Weitere steile Pisten in den Alpen

Wer all die obengenannten Skipisten gefahren ist und immer noch mehr Action braucht, dem ist entweder nicht zu helfen oder der kann sich an die folgenden Exemplare wenden. Weitere steile Skipisten der Alpen sind nämlich beispielsweise die Black Mamba am Kitzsteinhorn, die Lauberhorn in Wengen, die Mont Fort in den Schweizer 4 Vallees oder die Planai in Schladming. Aber sagt nicht, wir hätten euch nicht gewarnt.

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6 Kommentare

  1. Warum sollten mehr als 100% Steilheit physikalisch nicht möglich sein? Höhendifferenz dividiert durch waagerechte Länge ergibt die Steilheit. Besser ist es die Steilheit in Grad anzugeben. 100% sind 45 Grad. Auch sehr steil.

    1. Hallo Bertram – danke für deinen Kommentar. Du hast es genau richtig erfasst: 100% Steilheit bedeutet einfach, dass wir 100m Höhe auf einer horizontalen Strecke von 100m verlieren.

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